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Die Forschung der letzten Jahre ist eindeutig: Es gibt eine Handvoll Biomarker, die früher über deinen Gesundheitszustand Bescheid wissen, präziser und aussagekräftiger sind als das, was bei der Routineuntersuchung gemessen wird. In diesem Artikel erfährst du, welche fünf Longevity-Blutwerte das sind, was sie messen, warum sie so entscheidend sind – und welche Zielwerte die Langlebigkeitsmedizin tatsächlich anstrebt. In unserem Longevity Programm arbeiten wir täglich mit genau diesen Markern, weil Prävention ohne die richtigen Messwerte im Dunkeln tappt.

Das Wichtigste vorab zusammengefasst

  1. ApoB ist der präziseste Einzelprädiktor für Herzinfarkt und wird in der Routineuntersuchung kaum gemessen.
  2. Lipoprotein(a) ist zu 70–90 % genetisch bestimmt und muss mindestens einmal im Leben bestimmt werden.
  3. Ein niedriges Nüchterninsulin ist ein „Markenzeichen“ von Hundertjährigen und du kannst es aktiv beeinflussen.
  4. Hs-CRP macht stille Entzündungen sichtbar, die als zentraler Treiber aller großen Alterskrankheiten gelten.
  5. HbA1c zeigt deinen Langzeit-Blutzucker. Schon im oberen Normalbereich steigt das kardiovaskuläre Risiko messbar an.

Warum Longevity Blutwerte und Standard-Labor unterschiedliche Sprachen sprechen

Stell dir vor, du fährst mit dem Auto und schaust nur auf die Tanknadel. Die zeigt »ausreichend« aber du weißt nichts über den Öldruck, die Bremsbeläge oder die Motortemperatur. Genau so funktioniert ein Standard-Laborbefund in Bezug auf Langlebigkeit: Er zeigt, ob du aus dem kritischen Gefahrenbereich heraus bist. Er zeigt nicht, ob dein Körper auf Hochleistung und ein langes, gesundes Leben vorbereitet ist.

Die Langlebigkeitsmedizin, auch Longevity Medicine genannt, denkt in anderen Dimensionen. Sie fragt nicht: »Ist dieser Wert noch normal?«, sondern: »Ist dieser Wert optimal für jemanden, der mit 90 noch fit sein will?« Der Unterschied ist enorm. Und er beginnt damit, die richtigen fünf Werte überhaupt zu kennen und sie im richtigen Kontext zu interpretieren. Was das bedeutet, zeigt unser Artikel über die Medizin der Zukunft und den Ansatz der Medizin 3.0.

1. ApoB – der Wert, der LDL in den Schatten stellt

Apolipoprotein B – kurz ApoB – ist ein Protein, das sich auf der Oberfläche bestimmter Blutfettpartikel befindet. Jedes atherogene Partikel im Blut trägt genau ein ApoB-Molekül. Das bedeutet: Wer ApoB misst, zählt direkt die Anzahl der gefährlichen Partikel und nicht nur deren Gesamtgewicht wie beim klassischen LDL-Cholesterin.

Der Unterschied ist entscheidend. Zwei Menschen können denselben LDL-Wert haben, aber vollkommen unterschiedliche ApoB-Werte. Je nachdem, ob ihre LDL-Partikel groß und fluffig oder klein und dicht sind. Die kleinen, dichten Partikel sind die gefährlichen, weil sie leichter in die Gefäßwand eindringen. ApoB macht diese Unterschiede sichtbar. Eine große systematische Analyse mit über 593.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zeigte: ApoB übertraf LDL-Cholesterin in neun von neun direkten Vergleichen als Prädiktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Apolipoprotein B ist ein essentieller Biomarker, wenn wir über Langlebigkeit sprechen.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, wie das klassische LDL-Cholesterin gesenkt werden kann, findest du eine ausführliche Einführung in unserem Artikel zum Thema LDL-Cholesterin senken und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen

Für Longevity-orientierte Prävention ist ApoB der nächste logische Schritt darüber hinaus.

Orientierungswert aus Longevity-Sicht: unter 60–80 mg/dL (je nach individuellem Risikoprofil, ärztlich klären).

2. Lipoprotein(a) – der genetische blinde Fleck

Lipoprotein(a), abgekürzt Lp(a), ist ein Lipoproteinteilchen, das in seiner Struktur LDL ähnelt aber zusätzlich ein klebriges Protein namens Apolipoprotein(a) trägt. Dieses macht Lp(a) besonders aggressiv: Es fördert sowohl die Bildung von Blutgerinnseln als auch arteriosklerotische Ablagerungen in den Gefäßen.

Was Lp(a) von allen anderen Blutwerten in dieser Liste unterscheidet: Der Wert ist zu 70–90 % genetisch determiniert. Weder Ernährungsumstellungen noch Sport senken ihn nennenswert. Das klingt nach einer schlechten Nachricht, ist es aber nicht. Denn wer seinen Lp(a)-Wert kennt, kann auf anderen Ebenen gegensteuern: Kardiovaskuläre Risikofaktoren noch konsequenter optimieren, häufiger kontrollieren lassen und in Zukunft gegebenenfalls von neuen, gezielten medikamentösen Ansätzen profitieren.

Genetisch-epidemiologische Studien zeigen einen starken Kausalzusammenhang zwischen erhöhten Lp(a)-Spiegeln und dem Herzinfarktrisiko. Personen im höchsten Lp(a)-Bereich haben im Vergleich zu jenen mit niedrigen Werten ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko.

Der Wert wird einmal im Leben gemessen, da er ein Leben lang weitgehend stabil bleibt. Wer ihn nicht kennt, hat einen blinden Fleck in seiner Risikolandkarte.

Orientierungswert aus Longevity-Sicht: unter 30 mg/dL (unter 75 nmol/L) – laborabhängig, Einheit beachten.

Der Wert Lipoprotein(a) bezieht sich bis zu 90% auf deine Genetik. Der Lebensstil macht trotzdem den Unterschied.

3. Nüchterninsulin

Insulinresistenz beginnt sich in den meisten Fällen Jahre bis Jahrzehnte bevor ein Arzt oder eine Ärztin sie im Standard-Labor erkennt. Der Blutzucker ist dann noch unauffällig, der HbA1c noch im grünen Bereich, aber das Insulin arbeitet schon auf Hochtouren, um den Blutzucker im Zaum zu halten.

Das Nüchterninsulin und der daraus berechnete HOMA-IR (Homeostatic Model Assessment of Insulin Resistance) machen genau das sichtbar: den Zustand der Insulinsensitivität, lange bevor offizielle Grenzwerte überschritten werden. Die Centenarian-Forschung, also die Erforschung von Menschen, die gesund hundert Jahre und älter werden, ist hier eindeutig. Studien zeigen, dass erhaltene Insulinsensitivität eines der konsistentesten biologischen Merkmale dieser Gruppe ist. Die Hundertjährigen sind nicht besser im Sinne von »athletischer«, sie sind metabolisch flexibler.

Du kannst deine Insulinsensitivität aktiv beeinflussen – mit Ausdauersport und Krafttraining.

Was die Insulinsensitivität beeinflusst, ist gut belegt: Ausdauertraining und Krafttraining, mediterrane oder pflanzenreiche Ernährung, Reduktion von stark verarbeiteten Kohlenhydraten, ausreichend Schlaf und das Vermeiden von chronischem Stress. Das sind keine Geheimtipps, aber der entscheidende Unterschied liegt darin, zu wissen, ob diese Maßnahmen bei dir tatsächlich wirken. Und das sieht man eben am Nüchterninsulin.

Orientierungswert aus Longevity-Sicht: Nüchterninsulin unter 5 µU/mL; HOMA-IR unter 1,5 (Laborstandards beachten).

4. Hs-CRP- das Maß der stillen Entzündungen (Inflammaging)

Chronische stille Entzündungen im Körper, in der Forschung als Inflammaging bezeichnet, eine Verbindung aus »inflammation« und »aging«, gelten heute als einer der zentralen Treiber aller großen Alterskrankheiten: Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Neurodegenerationen wie Alzheimer und bestimmte Krebsarten.

Das Problem: Diese Entzündungen machen sich oft jahrelang nicht bemerkbar. Kein Fieber, kein Schmerz. Sie laufen im Hintergrund ab und verursachen langsam, aber stetig Schäden an Geweben und Gefäßen. Das hochsensitive CRP, kurz hs-CRP, ist der bislang zuverlässigste messbare Marker für diesen Prozess im Routinelabor. Wichtig: Es handelt sich um die „hochsensitive“ Variante. Das normale CRP, das bei Infektionen gemessen wird, ist viel zu grob für diese Fragestellung.

Was den Wert senkt, ist vielfältig und deckt sich weitgehend mit dem, was ohnehin als gesunder Lebensstil gilt:

  • Verzicht auf Rauchen und starken Alkoholkonsum
  • Entzündungshemmende Ernährung: Omega-3-Fettsäuren, Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl
  • Regelmäßige Bewegung (Ausdauer wie Kraft)
  • Ausreichend Schlaf und Stressreduktion
  • Vermeidung von Übergewicht – insbesondere viszeralem Bauchfett

Orientierungswert aus Longevity-Sicht: unter 1,0 mg/L; idealerweise unter 0,5 mg/L.

Eine entzündungshemmende Ernährung, reich an Omega-3-Fettsäuren, beeinflusst u.a. den hs-crp positiv. Beispiele dafür sind: Wildlachs, Leinsamen, Chiasamen oder auch Walnüsse

5. HbA1c – das glykämische Gedächtnis deines Körpers

HbA1c – der sogenannte Langzeitzucker, zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Monate. Er entsteht, wenn Glukose an Hämoglobin in den roten Blutkörperchen bindet: Je mehr Zucker im Blut zirkuliert, desto mehr HbA1c bildet sich. Damit ist HbA1c viel aussagekräftiger als ein einzelner Nüchternblutzucker, der stark tageszeitabhängig schwankt.

Der Knackpunkt: Schon im oberen Normalbereich, also weit vor der Diabetes-Diagnose, steigt das kardiovaskuläre Risiko statistisch messbar an. Daten aus großen Registerauswertungen zeigen, dass Menschen im sogenannten Prä-Diabetes-Bereich sogar ein höheres Herzerkrankungsrisiko haben können als bereits diagnostizierte Diabetikerinnen und Diabetiker mit guter Einstellung. Das klingt paradox, liegt aber daran, dass im Prä-Diabetes-Stadium noch keine medikamentöse Behandlung erfolgt und die stille Schädigung unbemerkt voranschreitet.

Der HbA1c-Wert zeigt den Langzeitzucker über mehrere Monate und ist deshalb aussagekräftiger als ein einzelner Nüchternblutzucker

Gleichzeitig gilt: »Je niedriger, desto besser« ist keine allgemeine Regel. Ein sehr niedriger HbA1c kann auf Erkrankungen der roten Blutkörperchen, auf Mangelernährung oder auf eine Unterzuckerungsproblematik hindeuten. Das Ziel ist ein optimales Fenster und nicht ein möglichst tiefer Wert.

Orientierungswert aus Longevity-Sicht: 5,0–5,4 % (31–36 mmol/mol) – individuell mit Ärztin oder Arzt besprechen.

Messen, verstehen, handeln

Diese fünf Werte zu kennen ist Schritt eins. Aber ein Laborwert allein sagt wenig. Entscheidend ist, wie er im Kontext aller anderen Werte, des Lebensstils und der persönlichen Krankengeschichte interpretiert wird. Dafür braucht es jemanden mit echtem Longevity-Wissen, nicht nur den Kommentar »alles okay« auf dem Befundbogen. Schritt drei ist oft der schwerste: Was tust du konkret damit? Welche Maßnahmen senken deinen hs-CRP nachweislich?

Was verbessert deine Insulinsensitivität? Wie beeinflusst du ApoB mit Ernährung und Training? Genau hier liegt der Unterschied zwischen Wissen und Gesundheit. Eine solide Orientierung zu Langlebigkeit insgesamt findest du auch in unserem Artikel Die Kunst des langen Lebens

„Das Blut lügt nicht, aber man muss wissen, welche Fragen man ihm stellt. ApoB, Lp(a), Nüchterninsulin, hs-CRP und HbA1c sind keine exotischen Laborwerte. Sie sind die Sprache, in der dein Körper über sein biologisches Alter spricht. Wer diese Sprache lesen kann, hat einen entscheidenden Vorsprung, denn er kann handeln, bevor Symptome entstehen.“

Dr. Martin Reschl Mediziner & Longevity Arzt

Nahrungsergänzungen gezielt einsetzen – was die Forschung sagt

Wenn du deine Longevity-Blutwerte aktiv optimieren möchtest, können gut dosierte Nahrungsergänzungsmittel einen sinnvollen Beitrag leisten. Als Ergänzung zu einem gesunden Lebensstil, nicht als Ersatz. Bei healthdoctors findest du Produkte, die wir nach evidenzbasierter Grundlage entwickelt und zusammengestellt haben.

  • Hochwertige Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl sind einer der am besten belegten Ansätze zur Senkung von Entzündungsmarkern wie hs-CRP. Zusätzlich unterstützen sie ein gesundes Lipidprofil und damit indirekt auch ApoB-relevante Prozesse.
  • Magnesium: Magnesium ist an über 300 enzymatischen Prozessen beteiligt, darunter auch an der Insulinsensitivität. Ein ausgeglichener Magnesiumhaushalt unterstützt die metabolische Gesundheit und kann die Insulinwirkung verbessern, was sich direkt auf Nüchterninsulin und HOMA-IR auswirkt.
  • Curcumin (hochbioverfügbar): Curcumin, der Wirkstoff aus Kurkuma, zählt zu den intensiv erforschten natürlichen Entzündungsmodulatoren. Entscheidend ist die Bioverfügbarkeit: Standard-Curcumin wird schlecht aufgenommen; liposomale oder Piperin-kombinierte Formen sind deutlich wirksamer und wurden in Studien mit einer Reduktion von Entzündungsmarkern assoziiert.

Erst der Lebensstil, dann gezielte Unterstützung

Blutwert Longevity-Zielwert (Orientierung)
ApoB (Apolipoprotein B) < 60–80 mg/dL (je nach Risikoprofil)
Lipoprotein(a) < 30 mg/dL bzw. < 75 nmol/L
Nüchterninsulin / HOMA-IR < 5 µU/mL Insulin; HOMA-IR < 1,5
Hochsensitives CRP (hs-CRP) < 1,0 mg/L; idealerweise < 0,5 mg/L
HbA1c 5,0–5,4 % (31–36 mmol/mol)

Fazit: Messen alleine reicht nicht, aber es ist der erste Schritt

ApoB, Lipoprotein(a), Nüchterninsulin, hs-CRP und HbA1c: Diese fünf Werte erzählen eine Geschichte, die der Standard-Laborbefund nicht erzählt. Sie zeigen, wie gut dein Körper auf zellulärer Ebene aufgestellt ist, lange bevor Symptome entstehen oder Grenzwerte offiziell überschritten werden.

Das Entscheidende ist nicht das Messen allein. Es ist die Konsequenz, die du daraus ziehst. Wer seinen ApoB kennt, aber nicht weiß, was er damit anfangen soll, hat wenig gewonnen. Wer seinen hs-CRP senken will, aber nicht weiß, welche Hebel tatsächlich wirken, verliert Zeit. Langlebigkeit entsteht nicht durch Wissen. Sie entsteht durch gute Entscheidungen, die früh genug getroffen werden.

Diese fünf Blutwerte sind ein entscheidender Teil dieser Grundlage. Der Rest liegt bei dir.

FAQ – Häufige Fragen zu Biomarkern für Langlebigkeit

Je früher, desto besser. Insulinresistenz und stille Entzündungen entwickeln sich oft schon in den Dreißigern, arteriosklerotische Prozesse beginnen noch früher. Experten empfehlen, spätestens ab 30 Jahren eine erweiterte Longevity-Labordiagnostik durchzuführen. Lp(a) sollte idealerweise einmal in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter bestimmt werden, da der Wert genetisch fixiert ist und ein frühes Wissen die präventive Strategie langfristig beeinflusst.

Die Standarduntersuchung beim Arzt deckt das Wichtigste für die Akutmedizin ab, aber nicht für Langlebigkeit. Wer auf ein langes, gesundes Leben optimieren möchte, sollte zusätzlich ApoB, Lipoprotein(a), Nüchterninsulin, hochsensitives CRP und HbA1c bestimmen lassen. Diese fünf Biomarker zeigen früh und präzise, wie gut der Körper auf zellulärer Ebene aufgestellt ist, oft Jahre bevor klassische Werte auffällig werden.

LDL-Cholesterin misst die Gesamtmenge des Cholesterins in LDL-Partikeln. ApoB hingegen zählt direkt die Anzahl der atherogenen Partikel im Blut. Der entscheidende Unterschied: Kleine, dichte LDL-Partikel sind gefährlicher als große, weil sie leichter in die Gefäßwand eindringen, aber sie können denselben LDL-Wert ergeben wie harmlosere große Partikel. ApoB macht diesen Unterschied sichtbar. Eine systematische Analyse mit über 593.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestätigte: ApoB übertrifft LDL in allen direkten Vergleichen als Herzinfarkt-Prädiktor.

Ja, in den meisten Fällen reicht eine einmalige Messung. Lp(a) ist zu 70 bis 90 Prozent genetisch bestimmt und verändert sich durch Lebensstil oder Ernährung kaum. Wer seinen Wert kennt, kann sein kardiovaskuläres Risiko realistisch einschätzen und gezielt andere Risikofaktoren reduzieren.

HOMA-IR steht für Homeostatic Model Assessment of Insulin Resistance und ist ein einfacher Rechenwert aus Nüchterninsulin und Nüchternblutzucker. Er gibt Auskunft darüber, wie gut deine Körperzellen auf Insulin ansprechen. Je höher der Wert, desto ausgeprägter die Insulinresistenz. Ein HOMA-IR unter 1,5 gilt aus Longevity-Sicht als optimal.

Die wirksamsten Hebel sind gut belegt:

  • Regelmäßige Bewegung mit einer Kombination aus Ausdauer und Kraft
  • Entzündungshemmende Ernährung reich an Omega-3-Fettsäuren, Gemüse und Hülsenfrüchten
  • Ausreichend Schlaf und aktive Stressreduktion
  • Abbau von viszeralem Bauchfett
  • Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum

Hochdosierte Omega-3-Präparate und hochbioverfügbares Curcumin können ergänzend unterstützen, ersetzen aber keine Lebensstiländerung.

Das Standard-CRP ist für die Erkennung akuter Infektionen und Entzündungen ausgelegt und reagiert erst bei deutlich erhöhten Werten. Das hochsensitive CRP, kurz hs-CRP, misst hingegen auch sehr niedrige Entzündungsaktivitäten im Blut, die für die Langlebigkeitsmedizin relevant sind. Für die Beurteilung von Inflammaging ist das normale CRP schlicht zu ungenau.

Das hängt von deinen aktuellen Werten und deinem Risikoprofil ab. Als Faustregel gilt: Lp(a) einmal im Leben, ApoB, hs-CRP, Nüchterninsulin und HbA1c mindestens einmal jährlich, bei auffälligen Werten oder aktiven Maßnahmen auch halbjährlich. Wichtig ist dabei immer die Interpretation im Gesamtkontext, nicht der einzelne Wert für sich.

Grundsätzlich ja, allerdings werden nicht alle dieser Werte standardmäßig im Rahmen der Kassenleistung abgedeckt. Besonders ApoB, Lp(a) und Nüchterninsulin werden in der Routineuntersuchung oft nicht angeboten. Es lohnt sich, gezielt nachzufragen oder einen auf Longevity spezialisierten Arzt oder eine spezialisierte Ärztin aufzusuchen.

Der Normbereich eines Laborwerts ist statistisch definiert: Er umfasst jene Werte, die bei 95 Prozent einer Referenzpopulation gemessen werden. Diese Population ist jedoch der Durchschnitt der Bevölkerung, und der Durchschnitt ist in unserer Gesellschaft weit entfernt von metabolisch optimal. Wer auf ein langes, gesundes Leben abzielt, braucht keine Durchschnittswerte, sondern Optimalwerte. Das ist der Kernunterschied zwischen klassischer Medizin und der Longevity-Medizin.

Wissenschaftliche Grundlagen

Studie 1: ApoB übertrifft LDL als Risikomarker

In einer umfangreichen systematischen Analyse mit über 593.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde untersucht, welcher Blutfettwert – ApoB, LDL-Cholesterin oder Non-HDL-Cholesterin – das Risiko für atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen am besten vorhersagt. Das Ergebnis ist eindeutig: ApoB übertraf LDL-Cholesterin in allen neun direkten Vergleichen und Non-HDL-Cholesterin in sieben von neun. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern, dass LDL-Cholesterin kein adäquates klinisches Maß für das tatsächliche Risiko darstellt – ApoB sollte der primäre Risikomarker sein.

Sehayek D, Cole J, Björnson E et al. ApoB, LDL-C, and non-HDL-C as markers of cardiovascular risk. Journal of Clinical Lipidology. 2025;19(4):844–859. DOI: 10.1016/j.jacl.2025.05.024. PMID: 40681368.

Studie 2: Insulinsensitivität als Merkmal gesunder Hundertjähriger

In einer Untersuchung an gesunden Centenarians (über 100 Jahre alt), einer Vergleichsgruppe über 75-Jähriger und jungen Erwachsenen wurde die Insulinsensitivität mittels euglykämischem Glukose-Clamp gemessen – dem Goldstandard für diese Fragestellung. Das Ergebnis war bemerkenswert: Die Hundertjährigen zeigten eine signifikant bessere Insulinsensitivität als die 75+-Gruppe und lagen damit auf einem Niveau vergleichbar mit den deutlich jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Insulinresistenz ist offensichtlich kein unvermeidlicher Teil des Alterns – erhaltene Insulinsensitivität ist ein biologisches Markenzeichen außergewöhnlicher Langlebigkeit.

Paolisso G, Gambardella A, Ammendola S et al. Glucose tolerance and insulin action in healthy centenarians. American Journal of Physiology – Endocrinology and Metabolism. 1996;270(5 Pt 1):E890–E894. DOI: 10.1152/ajpendo.1996.270.5.E890. PMID: 8967479.

Studie 3: hs-CRP als Prädiktor für Sterblichkeit – auch bei Gesunden

Die PolSenior-Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Entzündungsmarkern – insbesondere IL-6 und hs-CRP – und der Gesamtmortalität in einer großen polnischen Kohorte älterer Menschen. Das Besondere: Die Analyse schloss explizit ein Subkollektiv von sogenannten »successful agers« ein – also Menschen ohne bekannte schwere Vorerkrankungen. Auch in dieser Gruppe war hs-CRP ein unabhängiger Prädiktor für die Sterblichkeit. Mit jedem Anstieg des hs-CRP-Werts um 1 mg/L stieg das Sterberisiko um rund 7,4 % (Hazard Ratio 1,074; 95-%-Konfidenzintervall 1,047–1,100). Stille Entzündungen schädigen – auch wenn man sich gesund fühlt.

Puzianowska-Kuźnicka M, Owczarz M, Wieczorowska-Tobis K et al. Interleukin-6 and C-reactive protein, successful aging, and mortality: the PolSenior study. Immunity & Ageing. 2016;13:21. DOI: 10.1186/s12979-016-0076-x. PMID: 27274758.

Studie 4: Lipoprotein(a) und Herzinfarktrisiko – genetischer Kausalitätsbeweis

Mithilfe des Studiendesigns der Mendelschen Randomisierung – einem Verfahren, das genetische Varianten nutzt, um Kausalität von bloßer Assoziation zu unterscheiden – wurde in der Copenhagen City Heart Study und der Copenhagen General Population Study mit über 40.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht, ob erhöhtes Lp(a) ursächlich für Herzinfarkte ist. Das Ergebnis: Personen mit genetisch bedingten hohen Lp(a)-Werten hatten ein zwei- bis dreifach erhöhtes Herzinfarktrisiko. Die genetische Variante, die die Lp(a)-Höhe bestimmt, war im gleichen Verhältnis mit dem Herzinfarktrisiko assoziiert – ein starker Hinweis auf echte Kausalität. Diese Studie ist die Grundlage für die heutige Empfehlung, Lp(a) mindestens einmal im Leben zu messen.

Kamstrup PR, Tybjærg-Hansen A, Steffensen R, Nordestgaard BG. Genetically elevated lipoprotein(a) and increased risk of myocardial infarction. JAMA. 2009;301(22):2331–2339. DOI: 10.1001/jama.2009.801. PMID: 19509380

Martin Reschl

Orthopäde & Sportarzt, Co-Founder der Healthdoctors

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